Was unser Gehirn antreibt und wie wir durch Motivationstiefs kommen
Wir alle kennen die Tage, an denen der Kopf leer, der Fokus schwach und der Drive irgendwo zwischen E-Mail-Flut und Kaffeepause verschwunden ist. In einem anspruchsvollen Business-Umfeld scheint geistige Leistungsfähigkeit oft selbstverständlich. Doch unser Gehirn ist kein Dauerläufer. Die Neurowissenschaftlerin und Mitgründerin von Hirncoach AG, Dr. Barbara Studer, zeigt Ihnen ihre Lieblingsübungen für mehr Motivation und Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag.
Das Belohnungssystem als unser innerer Antriebsmotor
Im Zentrum jeder Motivation steht unser mesolimbisches Belohnungssystem, besonders ein Kern davon, der Nucleus accumbens. Wird eine Handlung mit positiven Erwartungen verknüpft, etwa Sinn, Anerkennung oder Zielerreichung, wird dort Dopamin ausgeschüttet. Dieser Neurotransmitter sorgt für Antrieb, Neugier und Tatkraft. Doch genau dieses System reagiert sensibel auf Überlastung, Dauerstress und Sinnleere. Wenn wir unter chronisch hohem Leistungsdruck stehen, senkt sich die Dopaminreaktivität. Als Folge fühlen wir uns leer, motivationslos, im schlimmsten Fall ausgebrannt.
Motivationstief ist nicht gleich Faulheit
Auf dieser Basis ist es wichtig zu verstehen, dass ein Leistungstief kein persönliches Versagen ist, sondern oft das Signal des Gehirns ist, das sagt: «Ich brauche Regeneration.» Denn Fokus und Motivation sind keine dauerhaften Ressourcen, sondern sehr dynamische.
Neurofitness:
Was hilft dem Gehirn im Business-Alltag?
Sinn aktiviert Dopamin
Ziele, die mit einem echten inneren «Warum» verbunden sind, setzen mehr Dopamin frei als extrinsische Belohnungen.
? Neuro-Hack: Stärken Sie im Alltag wieder die Verbindung zum Sinn Ihrer Arbeit und spüren Sie die Wirkung Ihres Wirkens, um Ihren Antrieb von innen heraus zu stärken.
Mikropausen statt Dauerberieselung
Das Gehirn arbeitet am besten in 90- bis 120-Minuten-Rhythmen. Danach sinkt die neuronale Effizienz. Kurze Pausen – idealerweise mit Bewegung, Frischluft oder sozialen Interaktionen – aktivieren das Default Mode Network im Gehirn. Dieses ist für kreative Ideen, emotionale Integration und Problemlösen wichtig.
? Neuro-Hack: Gehen Sie zum Beispiel eine Runde spazieren zwischen Besprechungen, um den Frontalkortex zu erholen und auf frische Gedanken zu kommen.
Bewegung als kognitiver Booster
Schon 20 Minuten Bewegung pro Tag erhöhen die Dopamin- und Serotoninlevel messbar und damit auch die Stimmung und Motivation. Auch die Konzentrations- und Gedächtnisleistung sowie die Stressresilienz verbessern sich.
? Neuro-Hack: Ein kurzer «Bewegungs-Snack» von zehn Push-ups, zehn Kniebeugen und einer kurzen Joggingrunde ums Haus bringt mehr als eine dritte Kaffeerunde.
Schlaf als Hirn-Wartung
Im Tiefschlaf werden neuronale Verbindungen sortiert, toxische Abfallstoffe abgebaut und das emotionale Gleichgewicht reguliert. Wer zu wenig schläft, riskiert langfristig nicht nur Leistungstiefs, sondern auch emotionale Erschöpfung.
? Neuro-Hack: Achten Sie auf einen regelmässigen Schlafrhythmus und konsumieren Sie mind. eine Stunde vor dem Schlafengehen keine digitalen Medien mehr.
Selbstmitgefühl statt Selbstoptimierungsdruck
Die neuere Resilienzforschung zeigt, dass Menschen, die freundlich mit sich selbst umgehen, mehr Motivation, höhere Belastbarkeit und schnellere Erholung nach Rückschlägen haben.
? Neuro-Hack: Reden Sie mit sich wie mit einem guten Freund. Ein freundlicher innerer Dialog ist kein Luxus, sondern ein neurobiologischer Stabilisator.
Wer versteht, wie Motivation und Leistung im Kopf funktionieren, kann im Business-Alltag nicht nur effizienter, sondern auch gesünder agieren. Motivation entsteht nicht durch noch mehr Druck, sondern durch kluge Pausen, klare Ziele, Bewegung, gute Beziehungen und ein gehirnfreundliches Selbstmanagement.
? Und ein Neuro-Hack zum Abschluss: Drücken Sie Wertschätzung gerne auch in Worten aus und machen Sie sich und jemand anderem ein ehrliches Kompliment. Wirkt garantiert motivationsstärkend!
Das Interview führte Andreas Roth, Redaktor KV-News.
«Motivation entsteht nicht durch noch mehr Druck, sondern durch kluge Pausen, klare Ziele, Bewegung, gute Beziehungen und ein gehirnfreundliches Selbstmanagement.»
Dr. Barbara Studer,
Neurowissenschaftlerin, Speaker,
Dozentin Universität Bern,
Co-Founder und CEO Hirncoach AG
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