«Sozialpartnerschaft ist kein Randthema, sondern ein zentraler Teil unserer Arbeitskultur»

23. September 2026 Beitrag teilen

Flexible Arbeitsmodelle, moderne Tools, flache Hierarchien: Viele Unter nehmen versprechen eine neue Arbeitskultur. Doch faire Arbeit entsteht nicht durch schöne Leitbilder, sondern durch verbindliche Regeln und echte Mitsprache. Gesamtarbeitsverträge (GAV) und Arbeitnehmer:innen-Vertretungen (ANV) geben Beschäftigten eine Stimme und schaffen Lösungen, die im Betrieb tragen.

Ein GAV regelt Arbeitsbedingungen, die über das gesetzliche Minimum hinausgehen können: Löhne, Arbeitszeiten, Ferien, Weiterbildung, Elternzeit oder Sozialpläne. Damit schafft er Rechtssicherheit für Arbeitnehmende und Planbarkeit für Arbeitgeber:innen. In der Schweiz sind rund 2.1 Millionen Erwerbstätige einem GAV unterstellt. «Sozialpartnerschaft ist kein Randthema, sondern ein zentraler Teil unserer Arbeitskultur», erklärt Michel Lang, Leiter Sozialpartnerschaft beim Kaufmännischen Verband Schweiz. «Ihr Prinzip ist einfach und wirkungsvoll: Konflikte werden nicht verdrängt, sondern verhandelt.» Das stärkt den Arbeitsfrieden und macht Branchen attraktiver.

Wo Arbeitsrealität verhandelt wird
Bis ein GAV abgeschlossen ist, geschieht viel hinter den Kulissen. Bevor konkrete Klauseln entstehen, braucht es Gespräche, Vertrauen und ein klares Bild der betrieblichen Realität. Hier spielen ANV eine zentrale Rolle. Personal- und Mitarbeiterkommissionen, Verbände und Gewerkschaften bündeln Anliegen, benennen Missstände und bringen Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag ein.

Diese Nähe ist wichtig. Moderne Arbeitswelten sind widersprüchlich. Unternehmen sprechen von flachen Hierarchien und offener Kultur. Gleichzeitig erleben Mitarbeitende Leistungsdruck, unklare Zuständigkeiten, intransparente Lohnsysteme oder Unsicherheit beim Einsatz neuer Technologien. «ANV machen solche Spannungsfelder sichtbar», erklärt Lang. «Und sie sorgen dafür, dass Mitwirkung nicht vom guten Willen einzelner Führungspersonen abhängt, sondern verbindlich verankert wird.»

Moderne Tools, Du-Kultur und schöne Büros ersetzen keine klaren Rechte. Gerade wissensintensive Berufe profitieren, wenn Mitarbeitende früh einbezogen werden.

Mitwirkung ist mehr als Symbolpolitik 
«Die Sozialpartnerschaft ist kein Relikt der Industriegesellschaft», führt Lang aus. «Sie ist eine moderne Infrastruktur für faire Arbeit.» Ein guter GAV kann Weiterbildung fördern, Lohngleichheit stärken, Gesundheit schützen und Härten bei Restrukturierungen abfedern. Damit schafft er Schutz und Zukunftsfähigkeit. Damit dieses Modell wirkt, braucht es engagierte Arbeitnehmende. Wer Anliegen einbringt, sich in einer Kommission beteiligt oder einem Verband beitritt, stärkt die gemeinsame Stimme der Beschäftigten. ANV sind keine Gegner, sondern Frühwarnsystem, Resonanzraum und Partner für tragfähige Lösungen. Genau darin liegt die Stärke der Sozialpartnerschaft: Sie verbindet Mitsprache mit Verantwortung.

Der Kaufmännische Verband Schweiz bietet eintägige Basisschulungen an. Diese vermitteln zentrale Grundlagen zu Aufgaben, Rechten und Pflichten von ANV. Teilnehmende erhalten einen praxisnahen Überblick über Sozialpartnerschaft, rechtliche Grundlagen, kollektive Arbeitsverträge sowie die Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung. Ziel ist es, faire und konstruktive Verhandlungen im Betrieb zu stärken. 

Wirken auch Sie mit als Arbeitnehmer:innen-Vertretung und melden Sie sich für die Basisschulung an!

«Sozialpartnerschaft ist kein Randthema, sondern ein zentraler Teil unserer Arbeitskultur»

Michel Lang
ist Leiter Sozialpartnerschaft beim Kaufmännischen Verband Schweiz


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