«Und dann merkst du, dass man mehr bewegen kann.»

17. Dezember 2025 Beitrag teilen

Lukas Loss ist Kulturmacher mit Leib und Seele und Gründer des Interfinity-Festivals. Im Interview gibt er uns Einblicke in sein Tun und zeigt auf, weshalb Kultur wichtig ist für die Gesellschaft.

Guten Tag Herr Loss, Sie wurden vom Pianisten zum Kulturmacher. Wie kam es dazu?
Der Gedanke entstand an einem Konzert. (Lacht.) Tatsächlich steckte ein Drang dahinter, mehr Konzertmöglichkeiten zu schaffen und ein grösseres Publikum zu erreichen. Es gibt unzählige Pianisten, die die Beethoven-Sonaten spielen, und ich bin einer davon. Du machst das, was alle schon seit mehr als 200 Jahren machen. Und dann merkst du, dass man mehr bewegen kann. So haben wir mit Infinity bzw. Interfinity, wie es heute heisst, ein neues Konzept entwickelt, das es in dieser Form noch nie zuvor gegeben hat. Damit haben wir auch die Grenzen der Kunst verschoben.

Sie sprechen das Interfinity-Festival an. Worum geht es dabei?
Kurz gesagt verbinden wir Wissenschaft mit Kunst. Komplexe Themen wie Naturwissenschaften, Quantencomputing oder Künstliche Intelligenz werden in künstlerischer und zugleich didaktischer Form vermittelt – sei es durch Tanz, Konzerte, Vorträge oder Begegnungen mit Fachleuten. Die Menschen sind eingeladen, mitzudenken, sich auszutauschen oder einfach ihre Fantasie schweifen zu lassen.

Wissenschaft und Kunst verbinden, ist das möglich?
Es ist möglich, indem man nicht allzu wissenschaftlich auftritt. (Schmunzelt.) Wir führen Gespräche mit Fachleuten aus der Wissenschaft, entwickeln daraus Texte und wandeln diese in künstlerische Produktionen um. So entsteht der Höhepunkt des Festivals. Forschende balancieren oft zwischen Fakten und Spekulationen, aber sie kennen die Grenzen. Wir kennen diese nicht. Oder überschreiten sie bewusst. (Lacht.) Es ist inspirierend, wenn ein Astrophysiker erklärt, dass er nach Exoplaneten forscht, auf denen es flüssiges Metall regnen soll. Noch nie hat jemand so einen Planeten gesehen. Und da liegt es an uns Künstler:innen, beim Publikum die Vorstellungskraft zu wecken und es zu animieren, sich mit der Materie auseinanderzusetzen.

Exoplaneten?
Genau, damit sind Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems gemeint. Selbst mit den modernsten Teleskopen erscheinen sie nur als winzige Punkte. Exoplaneten sind denn auch der Schwerpunkt des Interfinity-Festivals 2026.

Können Sie bereits mehr dazu sagen?
Die Hauptproduktion wird eine Kooperation zwischen dem Sinfonieorchester Basel, Interfinity und der Messegruppe sein. Geplant ist eine grosse Show mit Orchester, Licht- und Laserelementen sowie wissenschaftlichen Impulsen und einem Science-Apéro. Der Höhepunkt findet am 19. und 20. März 2026 in der Messehalle in Basel statt. Ermöglicht wird dies auch dank der Unterstützung unserer Hauptsponsoren Novartis und Christoph Merian Stiftung.

Sponsoren machen Kultur möglich?
Für uns auf jeden Fall. Als gemeinnütziger Kulturverein sind wir zu einem grossen Teil auf Sponsoren angewiesen. Dabei müssen es nicht ausschliesslich finanzielle Mittel sein. Ein Beispiel ist unsere langjährige Zusammenarbeit mit dem Kaufmännischen Verband Region Beide Basel. Von dort erhalten wir kommunikative Unterstützung, womit wir ein breites Publikum erreichen können. Gerade in den Anfangsjahren war das für uns von unschätzbarem Wert.

Wie gewinnen Sie Sponsoren?
Das ist mein Geheimnis. (Lacht.) Als Pianist, der aus dem Übungskeller kam, hatte ich ursprünglich keinerlei Kontakte ausserhalb des Konzertsaals. Also habe ich zum Telefonhörer gegriffen und gefühlt jede Firma in Basel angerufen, von kleinen Betrieben bis zu Grosskonzernen. Entscheidend ist, dranzubleiben, persönliche Gespräche zu führen und parallel dazu das eigene Konzept immer weiter zu schärfen. Sponsoren ermöglichen Kultur für die Gesellschaft. Und ich finde, es ist eine wunderbare Symbiose – Kultur braucht Wirtschaft, und eine Wirtschaft ohne Kultur wäre ziemlich eintönig, oder?

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ganz einfach, dass die Menschen wieder vermehrt die Kulturangebote nutzen. Unsere Produktionen sind vielschichtig, auch wenn wir sie möglichst zugänglich gestalten. Es braucht manchmal etwas Mut, sich auf komplexere Inhalte einzulassen. Aber genau dieses gemeinsame Erleben, Nachdenken und Diskutieren ist wichtig für unsere Gesellschaft. Das stärkt den Zusammenhalt – das möchten wir fördern.

Das Interview führte Andreas Roth, Redaktor «KV-News».

Hier finden Sie mehr Informationen zum Interfinity-Festival.

«Aber genau dieses gemeinsame Erleben, Nachdenken und Diskutieren ist wichtig für unsere Gesellschaft. Das stärkt den Zusammenhalt – das möchten wir fördern.»

Lukas Loss,
Gründer des Interfinity-Festivals
und Pianist


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